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Ein Blick in meine Skype-Kontaktliste ist meist sehr erbaulich. Wie ein Blick auf das Kalenderblatt mit “Spruch des Tages” in der Generation meiner Großmutter. Denn irgendwer bietet immer ein nettes Sprüchlein. Erst Mal denkt man noch: “Ja. Schön. Stimmt.” Und gleich danach reiht sich der Gedanke ein: “Wie tief wurde hier eigentlich im Poesiealbum gegraben?” Nur um sich gleich darauf zu sorgen: “Verdammt, was habe ich in meinem maroden Geisteszustand hochtrabendes geschrieben?” Aber letztlich führt das auf ein ganz anders gelagertes Phänomen zurück.

Neuzeitlich wird nämlich nicht nur per Mail kommuniziert. Per Chat. (Metakommunikativ) per Blog. Oder Tumblr. Nein – Mood-Messages sind der Kanal. Ob nun in Skype oder sonstigen Clients, die dazu instrumentalisiert werden können. Hier wird etwas an eine (je nach Kontaktlisten-Umfang) breitere Öffentlichkeit preisgegeben, die das in etwa so viel angeht wie die tagesaktuelle Unterwäsche. Und dabei ist es doch meist nur eine Person, die etwa mit einem Zitat erreicht werden soll. Erfahrungswerte zeigen: Klappt nicht.

Grundsätzlich beziehen es ohnehin die Falschen auf sich oder sprechen einen auf die Mood-Message hin an. Gern genommen sind auch abstrakt-exhibitionistische Sätzchen, die erst einmal in einen Kontext gesetzt werden müssen und trotzdem schon etwas über die Erlebnisse des Tages aussagen. Und auch dazu muss natürlich nachgefragt werden, was das nun heißen soll – und hoffentlich fragen genau die Richtigen. Viel abstruser wird das alles noch, wenn die aktuellen iTunes-Titel, passend zum Seelenzustand gehört, eingeblendet werden.

Circa ein Jahr lang prangte bei mir in Skype einfach “Büro.” Das war prima. Und dann ging sie los, die Mood-Manie. Irgendwann, nach unzähligen und natürlich un-glaub-lich gewitzten Zitaten zu z. B. “Chancen ergreifen”, “Ängste überwinden” und “in die Pötte kommen”, bin ich letztlich auf das hier umgestiegen: Viel allgemeingültiger. Und letztlich ebenso aussagekräftig wie jedes noch so abgründige Zitat, das ich ausgraben könnte. Abgesehen davon habe ich zwei favorisierte Moods:

  • “Denial ain’t just a river in Egypt.” Ein großartiges Zitat von Mark Twain, auf vieles im Leben anwendbar. Vor allem auch dann, wenn man mit sich selbst hadert. Oder mit anderen. Also eigentlich immer.
  • “If anyone gets nosy… just, you know… shoot ‘em. Politely.” Text aus Firefly. Einer (zu unrecht) völlig unterschätzten Serie. Immer dann gut, wenn man nur mit bestimmten Personen reden will und dazu doch mal seine Unsichtbarkeit aufgeben muss. Klappt meist ganz gut. Aber auch hier besteht die Gefahr, das gleich noch neugieriger nachgefragt wird.

Testweise habe ich außerdem eine Woche lang “skype on mobile by http://www.fring.com” als Message eingestellt. Eine Nachricht, anhand der man sonst eigentlich nachvollziehen kann, dass ich sonstwo und mit dem iPhone unterwegs bin. Hat aber eigentlich keine Ergebnisse gebracht. Außer das: Vielleicht sollten wir Verkorksten alle mal wieder unser Mood-Message-Feld leeren. Und – oha, oha – doch lieber so richtig miteinander reden. Bestimmte Sachen einfach direkt und unverblümt sagen. Könnte allen weiterhelfen.