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Did it!

“There are only three real sports: bull-fighting, car racing and mountain climbing. All the others are mere games.”
Ernest Hemingway

Klettern ist zu einer meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen und meinem favorisierten Alltags-Eskapismus geworden. Statt abends stupide Fernsehunterhaltung zu bemühen oder den Computer-Bildschirm anzustarren, geht es lieber an die Wand. Das bietet gleich mehrere erholsame und heilsame Punkte:

  • Balance: Wer es beim Klettern nicht schafft, Kopf und Körper in Balance zu bringen, fällt ziemlich schnell aus der Wand. Wer es schafft, fühlt sich danach gleich wesentlich besser und nimmt das positive Gefühl mit nach Hause.
  • Fitness: Beim Klettern werden wirklich verdammt viele Muskeln trainiert. Das ist nicht nur ein positiver gesundheitlicher Faktor. Sondern auch gleich ein ästhetischer… Kletterer-Rücken sind ganz großartig. Kletterhallen im Sommer lohnen sich sehr.
  • Atmosphäre: Die “Good Vibrations” schwirren in der Kletterhalle nun wirklich durch die Luft. Jeder lächelt, alle sind entspannt. Wer mit Frust hierher kommt, ist ihn ziemlich bald wieder los. Und auch wer mit Frust aus einer misslungenen Route abgeseilt wird, sieht ein paar Zentimeter über dem Boden meist schon wieder zufrieden aus.
  • soziale Komponente: Kletterer sind locker, offen und kontaktfreudig. Es macht unglaublichen Spaß, bei diesem Sport Gleichgesinnte kennen zu lernen. Seine Zeit verbringt man also mit sympathischen Menschen – ihnen vertraut man sogar so sehr, dass man ihnen gerne sein Leben in die Hand gibt. (An dieser Stelle ein Kompliment und ein Dank an meine Kletterpartner.)

Nur manchmal, ganz manchmal, gibt es auch ärgerliche Momente: Eines Tages ist eine Route einfach nicht mehr da. Und der Frust ist groß. Das ist schlimm. Wirklich. Sehr gerne erinnert man sich noch Monate später an eine Lieblingsroute; ich trauere etwa sehr meiner eBay-Strecke (”3, 2, 1… meins!”) hinterher. Richtig schlimm wird es dann, wenn man noch an einer Route gearbeitet hat, sie noch nicht sauber geklettert oder durchgestiegen ist. Es ist, als ob man auf jemanden verdammt sauer ist – man sieht ihn nie wieder, man kann es ihm nie sagen. Und es nagt an einem. Eine schöne Analogie, die da jemand aufgestellt hat – denn wir wissen alle, dass das nicht schön ist.

In diesem Sinne hatten “Kassel hin und zurück” – aka die IKEA-Route – und ich noch eine Rechnung offen. Seit ein paar Tagen ist sie ge-xt, sprich für die nächste Aussonderung markiert. Seit meinem dritten Klettertag, also schon seit einigen Wochen, laboriere ich hin und wieder an der Route. Erst fehlte eindeutig die Kraft in den Armen, um auch nur im leichtesten Überhang weiter zu kommen. Dann fehlte die Technik, um das obere Drittel im 45 Grad-Überhang zu bewältigen. Und dann scheiterte es immer am letzten Zug: Fußwechsel von links auf rechts, Stehen auf rechts, linkes Bein für die Balance raus, am linken Arm hängen und dann mit rechts loslassen, nach oben drücken und im Idealfall den Griff erwischen. Alles gleichzeitig. Nach unzähligen Versuchen war es dann mal so weit:

 

Kassel hin und zurück I

 

 

(Danke an M2.0 für die Fotos…)

Gut, beim Clippen der Umlenker geschummelt. Wie man unschwer erkennen kann, stehe ich rechts auf einem grünen Tritt (”Kassel” ist aber orange). Man tritt in der Halle, zumindest als profaner Hobby-Kletterer, aber ohnehin mit niemand anderem in den Wettstreit als mit sich selbst. Kämpft nur gegen eigene Ängste und Grenzen. Die Überwindung, überhaupt diesen letzten Zug zu machen, ist das was zählt (versicherte man mir…). Und das gibt nicht nur ein bisschen innere Befriedigung. Es bringt auch Closure. Jetzt kann “Kassel” abgeschraubt werden. Alles wird gut.

So. Genug der Kletter-Schwärmerei. Ich könnte noch Stunden weiterparlieren… aber das sei anderen in den Kommentaren überlassen, wozu sind die schließlich da. Mark Twain, der hier im übertragenen Sinne ganz wunderbar passt, für alle (von mir) Geplagten zum Schluss.

There is probably no pleasure equal to the pleasure of climbing a dangerous Alp; but it is a pleasure which is confined strictly to people who can find pleasure in it.